Die Verzögerungen elektronische Patientenakte Deutschland nehmen weiter zu. Der bundesweite Roll-out der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland wurde auf frühestens Anfang April 2025 verschoben, wie aus einer aktuellen Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) hervorgeht. Diese Verzögerungen bei der elektronischen Patientenakte stellen einen erheblichen Rückschlag für die digitale Transformation des deutschen Gesundheitswesens dar, das seit Beginn mit zahlreichen Implementierungsproblemen konfrontiert war.
Die Verschiebung betrifft nicht nur den anfänglichen Roll-out – auch die Einführung des digital gestützten Medikationsprozesses (dgMP) und mehrerer anderer wichtiger Funktionen wurde neu terminiert und von Mitte 2025 auf März 2026 verlegt. Diese Information stammt direkt aus einem Schreiben des BMG an die Gesellschafter der gematik, das dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt.
Technische Herausforderungen führen zu Verzögerungen elektronische Patientenakte Deutschland
“Trotz aller Bemühungen und mit vollem Einsatz aller Beteiligten müssen wir aktuell mehr Zeit und Ressourcen für die Einführung und Stabilisierung der ePA in diesem Jahr einplanen”, heißt es in dem BMG-Schreiben. Das Dokument hebt zwei Hauptherausforderungen hervor:
- Die elektronische Patientenakte muss sich zunächst in den Modellregionen bewähren
- Zusätzliche technische Lösungen zur Erhöhung der Sicherheit müssen in Abstimmung mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) umgesetzt und abgeschlossen werden
Angesichts dieser Überlegungen wird die frühestmögliche bundesweite Implementierung nun für Anfang des zweiten Quartals 2025 prognostiziert – eine erhebliche Anpassung des bisherigen Zeitplans.
Elektronische Patientenakte Deutschland: Wichtige Funktionen auf 2026 verschoben
Die nächste Ausbaustufe der ePA, die den digitalen Medikationsprozess beinhaltet, wurde von Mitte 2025 auf März 2026 verschoben. Dieser digitale Medikationsprozess soll die bisherige Medikationsliste um strukturierte Funktionen erweitern.
Weitere verzögerte Funktionen umfassen:
- Datenausleitungsmöglichkeiten für Forschungszwecke
- Volltext- und verbesserte Metadatensuche
- Der künftige Nachweis des Behandlungskontextes durch “Proof of Patient Presence” (PoPP)
All diese Funktionen sind nun für das Frühjahr 2026 anstatt wie ursprünglich geplant für 2025 vorgesehen.
Zwischenversion zur Stabilisierung
Trotz der Verzögerungen bei den wichtigsten Entwicklungsstufen hat das BMG bestätigt, dass es im Juli 2025 ein Release geben wird. Dieses Update wird sich in erster Linie auf die Stabilisierung des ePA-Systems konzentrieren, aber auch den Telematikinfrastruktur-Messenger (TI-Messenger) für die Arzt-Patienten-Kommunikation einführen.
Verzögerungen elektronische Patientenakte: Praxiserfahrungen von Ärzten
Die Herausforderungen mit dem elektronischen Patientenaktensystem sind für viele Ärzte in den Testregionen bereits deutlich erkennbar. Ihre Erfahrungen verdeutlichen die praktischen Schwierigkeiten bei der Implementierung eines so umfassenden digitalen Systems:
Begrenzte Patientenakzeptanz
Dr. med. Jana Husemann, eine Hausärztin aus Hamburg, berichtet, dass nur sehr wenige Patienten mit einer funktionierenden ePA in ihre Praxis kommen, selbst unter denjenigen, die dem System nicht ausdrücklich widersprochen haben.
Technische Funktionalitätsprobleme
Hausarzt Moritz Eckert aus Herzberg am Harz hat weiterhin Probleme mit dem Hoch- und Herunterladen von PDF-Dokumenten innerhalb des Systems.
Wachsender Erfolg mit anhaltenden Herausforderungen
Dr. med. Stefanie Tatsis von der Rheumaambulanz am Marienkrankenhaus in Hamburg verzeichnet Fortschritte; die ePA funktioniert jetzt bei 80-90% ihrer Patienten. Allerdings bemerkt sie mehrere betriebliche Herausforderungen:
- Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) muss im Terminal stecken bleiben, bis die ePA im Krankenhausinformationssystem (KIS) eingebucht wird
- Laborärzte können noch keine Befunde selbst hochladen
- Das Einlesen der Karte dauert etwa 30 Sekunden, was bei vielen Patienten pro Tag zu erheblichem Zeitaufwand führt
Dr. Tatsis empfindet es auch als frustrierend, dass sie sich mehrfach als Internistin und Rheumatologin identifizieren muss, wenn sie mit dem System arbeitet, beispielsweise bei der Bearbeitung von Datei-Metadaten. Insgesamt benötigt sie etwa 45 Sekunden pro ePA, um Arztbriefe einzustellen und durch das System zu navigieren – Zeit, die sie betont, nicht refinanziert wird.
Erfolgsgeschichten
Nicht alle Erfahrungen waren herausfordernd. Dr. med. Matthias Hempel aus Detmold berichtete, dass er bis zum 13. Februar bereits 651 elektronische Patientenakten befüllt hatte. “Den Prozess der Erstbefüllung haben wir inzwischen gut etabliert”, erklärt er. Allerdings übt sein Praxisteam noch die Verfahren für die laufende Aktualisierung, die während des regulären Betriebs der ePA benötigt werden.
Verzögerungen bei elektronischer Patientenakte in Deutschland: Folgen für die Digitalisierung
Diese Verzögerungen stellen mehr als nur administrative Verschiebungen dar – sie signalisieren die komplexe Realität der Transformation etablierter Gesundheitssysteme. Die elektronische Patientenakte gilt als Eckpfeiler der digitalen Gesundheitsstrategie Deutschlands, die darauf abzielt, die Koordination der Versorgung zu verbessern, die Dopplung von Leistungen zu reduzieren und die Einbindung der Patienten in ihr Gesundheitsmanagement zu fördern.
Die anhaltenden technischen Schwierigkeiten und Implementierungsherausforderungen verdeutlichen jedoch die Spannung zwischen ambitionierten digitalen Transformationszielen und den praktischen Realitäten der Gesundheitsversorgung. Sowohl Leistungserbringer als auch Patienten befinden sich in dieser Übergangsphase mit unterschiedlichen Akzeptanz- und Funktionalitätsniveaus.
Sicherheitsbedenken haben Priorität
Die Beteiligung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigt, dass die Datensicherheit nach wie vor ein vorrangiges Anliegen ist. Während die digitale Transformation erhebliche Vorteile für die Gesundheitsversorgung und Forschung verspricht, schafft sie auch neue Anfälligkeiten, die vor einer bundesweiten Implementierung angegangen werden müssen.
Der sorgfältige Sicherheitsansatz spiegelt die sensible Natur von Gesundheitsdaten und die entscheidende Bedeutung der Aufrechterhaltung des Patientenvertrauens in das neue System wider. In einem Gesundheitsumfeld, das zunehmend von Cyberbedrohungen ins Visier genommen wird, können diese Sicherheitsüberlegungen nicht übersehen werden, auch wenn sie zu Implementierungsverzögerungen führen.
Elektronische Patientenakte Deutschland: Zukunftsaussichten trotz Verzögerungen
Trotz der Verzögerungen elektronische Patientenakte Deutschland bleibt die ePA eine entscheidende Komponente der Modernisierungsbemühungen im Gesundheitswesen. Die aktuellen Verzögerungen bei der elektronischen Patientenakte in Deutschland, obwohl frustrierend für die Beteiligten, könnten letztendlich zu einem zuverlässigeren und sichereren System führen, das sowohl den Gesundheitsdienstleistern als auch den Patienten besser dient.
Die Einführung des TI-Messengers im Juli-Release 2025 deutet darauf hin, dass der Fortschritt weitergeht, auch wenn größere Komponenten verschoben werden. Dieses Kommunikationstool könnte unmittelbaren Nutzen bringen, während die komplexeren Elemente des Systems einer weiteren Verfeinerung unterzogen werden.
Für Gesundheitsdienstleister werden die kommenden Monate eine Zeit der kontinuierlichen Anpassung und des Lernens sein, während sie sich auf den eventuellen bundesweiten Roll-out vorbereiten. Praxen, die bereits mit der Implementierung der ePA in Testregionen begonnen haben, entwickeln Arbeitsabläufe und Prozesse, die als Best Practices dienen werden, sobald das System allgemein verfügbar wird.
Elektronische Patientenakte Deutschland: Herausforderungen für erfolgreiche Umsetzung
Mehrere Faktoren werden den letztendlichen Erfolg des elektronischen Patientenaktensystems in Deutschland bestimmen:
Systemleistung und Zuverlässigkeit
Die aktuellen Erfahrungen von Ärzten in Testregionen unterstreichen die Bedeutung der Systemleistung. Prozesse, die 30-45 Sekunden dauern, mögen isoliert betrachtet geringfügig erscheinen, können aber den klinischen Arbeitsablauf erheblich beeinträchtigen, wenn sie auf viele Patientenkontakte hochgerechnet werden.
Integration mit bestehenden Systemen
Die nahtlose Integration mit Krankenhausinformationssystemen, Praxisverwaltungssoftware und Laborsystemen bleibt entscheidend für eine breite Akzeptanz.
Benutzerfreundliches Design
Sowohl Gesundheitsdienstleister als auch Patienten benötigen intuitive Schnittstellen, die die Lernkurve und den Verwaltungsaufwand minimieren.
Klare Finanzierungsmodelle
Wie Dr. Tatsis anmerkte, wird die Zeit, die für die Verwaltung der ePA aufgewendet wird, derzeit “nicht refinanziert”. Eine nachhaltige Implementierung erfordert angemessene Vergütungsmodelle für den zusätzlichen Arbeitsaufwand der Gesundheitsdienstleister.
Öffentliche Akzeptanz und Vertrauen
Letztendlich hängt der Erfolg der ePA von der Patientenakzeptanz ab. Eine klare Kommunikation über Vorteile, Datenschutzmaßnahmen und Nutzung wird entscheidend sein, um Vertrauen in das System aufzubauen.
Der internationale Kontext
Deutschlands Erfahrung mit elektronischen Patientenakten ist nicht einzigartig. Viele Länder haben bei der Implementierung landesweiter digitaler Gesundheitsakten ähnliche Herausforderungen erlebt. Das National Programme for IT des Vereinigten Königreichs und Australiens My Health Record stießen während der Implementierung auf erhebliche Hindernisse.
Länder wie Estland haben jedoch gezeigt, dass umfassende digitale Gesundheitsakten mit angemessener Planung, Infrastruktur und öffentlichem Engagement erfolgreich implementiert werden können. Deutschlands sorgfältiger Ansatz könnte, obwohl er Verzögerungen verursacht, dazu beitragen, einige der Fallstricke zu vermeiden, die bei anderen nationalen Implementierungen aufgetreten sind.
Was dies für Patienten bedeutet
Für Patienten bedeutet die Verzögerung eine längere Wartezeit, bevor sie von einem voll funktionsfähigen elektronischen Aktensystem profitieren können. Sie bietet jedoch auch zusätzliche Zeit für die öffentliche Aufklärung über die Vorteile des Systems und die Datenschutzkontrollen.
Bei vollständiger Implementierung verspricht die ePA den Patienten:
- Bessere Koordination zwischen verschiedenen Gesundheitsdienstleistern
- Geringere Notwendigkeit, wiederholt dieselben Informationen anzugeben
- Verringertes Risiko von Medikationsfehlern durch den digitalen Medikationsprozess
- Größere Transparenz und Beteiligung an ihrer Gesundheitsversorgung
- Potenzial für Forschung, die zu verbesserten Behandlungen führen könnte
Trotz Herausforderungen vorwärts gehen
Obwohl die Verzögerungen enttäuschend sind, spiegeln sie das Engagement wider, die Implementierung richtig zu machen, anstatt ein unvollständiges oder unsicheres System übereilt bundesweit einzuführen. Die Erfahrungen in den Testregionen liefern wertvolle Erkenntnisse, die den breiteren Roll-out beeinflussen werden.
Gesundheitsdienstleister können diesen verlängerten Zeitplan nutzen, um ihr Personal und ihre Systeme auf die eventuelle Implementierung vorzubereiten, während politische Entscheidungsträger die Gelegenheit haben, die finanziellen und Workflow-Bedenken anzugehen, die von Praktikern an vorderster Front geäußert wurden.
Key Takeaways: Verzögerungen elektronische Patientenakte Deutschland
- Die Verzögerungen elektronische Patientenakte Deutschland führen zu einem bundesweiten Roll-out erst im April 2025
- Der digitale Medikationsprozess und andere fortgeschrittene Funktionen der elektronischen Patientenakte wurden auf März 2026 verschoben
- Ein Systemstabilisierungs-Update und der TI-Messenger werden trotz Verzögerungen im Juli 2025 veröffentlicht
- Ärzte in Testregionen der elektronischen Patientenakte Deutschland berichten von gemischten Erfahrungen, wobei technische Herausforderungen fortbestehen
- Zeitanforderungen für die Nutzung der elektronischen Patientenakte bleiben ein erhebliches Anliegen für Gesundheitsdienstleister
- Sicherheitsverbesserungen in Abstimmung mit dem BSI haben bei der elektronischen Patientenakte höchste Priorität
- Trotz Verzögerungen bleibt die elektronische Patientenakte zentral für die Digitalisierungsstrategie des deutschen Gesundheitswesens
- Eine sorgfältige Implementierung der elektronischen Patientenakte in Deutschland könnte letztendlich ein zuverlässigeres System für alle Beteiligten liefern